wunderding-letter

04 – Familienväter und Hormone, unsterblich mit Google und AI einfach erklärt

Und hier die 9 Geschichten aus Wissenschaft und Technik der Woche und die 10 von uns ausgewählten Meldungen der Top-Universitäten und Forschungseinrichtungen. Und am Ende noch das visuelle Highlight (Animationen, Filme etc.) der Woche.

GENE

1. “Rejuvenating the Chance of Motherhood?” / MIT Technology Review / Autorin: Karen Weintraub
Der Artikel erzählt die Geschichte des Startups OvaScience. Das Unternehmen behauptet, die Chancen auf eine erfolgreiche Künstliche Befruchtung, signifikant steigern zu können. Die Methode: vor dem Einsetzen werden die Eizellen mit Mitochondrien aus sogenannten Egg precursor Cells behandelt. Der Artikel zeigt auf, dass diese Methode unter Experten mehr als umstritten ist. Sehr bemerkenswert macht die Geschichte, dass das Ganze nicht von irgendwelchen Scharlatanen gemacht wird (die gibt es in diesem Feld auch viele), sondern dasss eine der Hauptrollen dabei David Sinclair spielt, Genetiker an der angesehenen Harvard Medical School. Neben OvaScience hat er auch noch die Startups Metro Biotech und CohBar mitgegründet, die sich ebenfalls mit Mitochondrien, hier beim Alterungsprozess, beschäftigen.
Zahl im Artikel: Der globale Markt für In-Vitro-Fertilisation (IVF) soll von 11 Milliarden Dollar (2016) auf 22 Milliarden Dollar in Jahr 2020 steigen.

2. “Latte pappas” / aeon / Autor: Richard W Orange
Schweden ist der Führer im Kampf für “gender-equal parenting” – so bekommen Männer drei Monate bezahlte Elternzeit. Wie sich das auf die Biologie der Väter in Elternzeit, die sogenannten “Latte pappas”, auswirkt  und was es mit den Änderungen der Hormonspiegel (insbesondere des Testosterons) auf sich hat, wird hier von Richard Orange untersucht – selbst ein Latte pappa ohne Reue.

3. “A Global Plan to Defend Against the Future’s Deadliest Diseases” / The Atlantic / Autor: Ed Yong
Eine internationale Koalition – CEPI (the Coalition for Epidemic Preparedness Innovations) – ist ins Leben gerufen wurden, um Impstoffe für die nächste mögliche Epidemie zu entwicklen. Anders als bei der Ebola-Epidemie, soll es möglichst schon einen  Impfstoff geben, wenn eine Epidemie ausbricht. Aus einer Liste von 37 möglichen Viren (erstellt von Prof. Mark Woolhouse) will man sich in den nächsten 5 Jahren erst einmal auf diese 3 konzentrieren: MERS, Nipah, Lassa Fieber. Dabei kommen auch RNA-basierte Impfstoffen ins Spiel.
Weiterlesen: Bei RNA-basierten Impfstoffen fällt mir gleich CureVac ein. Das Biotech-Startup haben wir in unserem Artikel zum Crunchbase-Report kurz erwähnt, weil es das einzige deutsche Startup ist, das in dem globalen Startup-Report erwähnt wird.

4. “How Reliable Are Cancer Studies?” / The Atlantic / Autor: Ed Yong
Lassen sich tatsächlich nur etwa ein viertel der wichtigsten Krebs-Studien reproduzieren? Und liegt darin ein Grund, warum es so schwer fällt, Forschungsergebnisse in klinische Erfolge zu übertragen? Der Artikel erzählt, wie sich die Initiative “Reproducibility Project: Cancer Biology” daran macht, genau das bei den 30 der meist zitierten Krebs-Studien  aus den Jahren 2010 – 2012 herauszufinden.

5. “Google’s Long, Strange Life-Span Trip” / MIT Technology Review / Autor: Antonio Regaldo
Google’s Gründer möchten die Geheimnisse des Alterns aufdecken und eines Tages den Alterungsprozess stoppen. Dafür haben sie das Startup Calico (kurz für California Life Company) ins Leben gerufen, welches Wissenschaftlern den Ort und vor allem die finanziellen Mittel für die Grundlagenforschung bietet. Spannende Geschichte, da auch die anderen Startups im Artikel vorkommen, die ebenfalls den “Heiligen Gral” der Langlebigkeit suchen. Musste beim Lesen unwillkürlich an den dritten Indian Jones Film denken. Der “Heilige Gral” ist für Google-Forscher erst einmal ein Biomarker fürs Altern.
Zahl im Artikel: 3 Millionen Dollar kostet laut Artikel allein die Fütterung von 1.000 Mäusen, die man getrennt in Boxen hält und kontinuierlich dabei über die gesamte Lebensdauer die Blut- und Kotproben screent, immer auf der Suche nach diesem “Biomarker” fürs Altern.

AI & ROBOTIK

6. “If You Look at X-Rays or Moles for a Living, AI Is Coming for Your Job” / Wired / Autorin: Megan Molteni
AI-Software ist besser als Ärzte, wenn es zum Beispiel darum geht, Hautkrebs zu erkennen. Wie lange dauert es noch bis Software, Ärzte in diesem Feld nicht nur unterstützt sondern auch ersetzt?
Zahl im Artikel: Ärzte aufgepasst. IBM´s AI-Engine Watson wurde bis jetzt mit über 30 Milliarden medizinischen Bilddaten (u.a. CT Aufnahmen) gefüttert und so baut er sich nach und nach Expertise auf, auch in den Feldern Radiologie, Pathologie und Dermatologie.
Startups aus dem Artikel: Arterys / PathAI
Weiterlesen:  Presse-Mitteilung Stanford University / Nature Paper “Dermatologist-level classification of skin cancer with deep neural networks”
Und wenn es um die Frage geht, in welchem Ausmass Techniken wie “Robotik” und “Machine Learning” menschliche Arbeit ersetzten wird, ist diese McKinsey-Studie aus dem letzten Jahr als Einstieg sehr lesenswert.

7. Computer Science AMA / Reddit / Autorin: Joanna Bryson, Professorin Artificial and Natural Intelligence, University of Bath
Diese AMA (AskmeAnything) Diskussion auf Reddit von Joanna Bryson eignet sich als ungewöhnlicher aber sehr breit gefächerter Einstieg in das Thema AI. Und für alle, die sich mit AI schon näher beschäftigt haben, ist es eine breite Quelle zu Projekten und Meinungen. Wie populär das Thema ist, zeigt die riesige Anzahl von über 1800 Kommentaren in der Diskussion.

8. “The Man Who Tried to Redeem the World with Logic” / Nautilus / Autorin: Amanda Gefter
Dieser Artikel stammt zwar schon aus dem Jahr 2015, ist aber sehr zu empfehlen für die, die etwas zu den Ursprüngen der AI-Forschung wissen wollen. Erzählt wird die spannende und zugleich tragische Geschichte des Logikers Walter Pitts (1923 – 1969), dessen Forschung die ersten Grundsteine für die heute AI-Entwicklung darstellt.

PHYSIK & WELTRAUM

9. “The First Sighting of a Black Hole” / Air&Space Smithsonian Magazine / Autor: Matthew R. Francis
Vielleicht werden wir schon bald tatsächlich ein Schwarzes Loch oder genauer gesagt, den Schatten eines Ereignishorizonts, direkt beobachten können. Wer schon immer mehr zu Schwarzen Löchern, der Geschichte ihrer Erforschung und dem EventHorizonTelescope wissen wollte, der/die sollte unbedingt diesen Artikel lesen.

 

DIE VON UNS AUSGEWÄHLTEN UNIVERSITÄTS-NACHRICHTEN 

1. “Smartphone microscope offers cost-effective DNA sequencing and genetic mutation analysis” / University of California UCLA

2. “Visualizing Gene Expression with MRI” / Caltech
Aquaporine (Proteine, die man in Zellmembranen findet) sind der Schlüssel zu einer neuen Methode der MRI-basierten Visualisierung von Genexpression.
Weiterlesen: Paper: Non-invasive imaging using reporter genes altering cellular water permeability / Mikhail Shapiro

3.”Tools and Techniques to Track and Study Methane” / Caltech
Wie man das farb- und geruchlose Gas aufspürt und der richtigen Quelle (z.B. Landwirtschaft oder Leck einer Gasleitung) zuordnet?

4.  “Soft robot helps the heart beat” / Harvard
Forscher an der Harvard University und dem Boston Children’s Hospital arbeiten momentan an einem Silikonroboter, der die Herzfunktion unterstützt. Der weiche Roboter wird um das Herz herum gestülpt und birgt den Vorteil, dass kein direkter Kontakt zum Blut besteht, so dass das Blutgerinnungsrisiko verringert wird – ein gängiges Problem bei den üblicherweise verwendeten mechanischen VAD-Systemen (ventricular assist devices).

5. “Glue that makes plant cell walls strong could hold the key to wooden skyscrapers” / University of Cambridge

6. “Languages still a major barrier to global science, new research finds” / University of Cambridge
Etwa 35 Prozent der publizierten wissenschaftlichen Arbeiten sind nicht in Englisch.
Weiterlesen: Paper: “Languages Are Still a Major Barrier to Global Science” / PLOS Biology

7. “Citizen-science pioneer, Project FeederWatch soars into 30th year” / Cornell University
Vogelbeobachtungs-Projekt: Feederwatch-Homepage

8. “Rat-grown mouse pancreases help reverse diabetes in mice” / Stanford University

9. “Engineers Create Artificial Skin That “Feels” Temperature Changes” / Caltech und ETH Zürich
Pressemitteilung der ETH Zürich

10. “Become a citizen scientist and help preserve California’s biodiversity” / UCLA
CALeDNA-Homepage

UND ZUM SCHLUSS…..

A 6 minute Intro to AI ist eine Scroll-Animation zum Thema AI, produziert von der Firma Snips. Sie haben einen AI-Assistenten zur Spracherkennung entwickelt, den man in Apps und IoT-Geräte einbauen kann. Zugegebenermaßen ist so eine solche Form des Visual Storytelling aufwendig zu produzieren, aber es wäre schön, wenn sich Wege finden, solche Formen auch stärker im Journalismus zu verankern.

Bis nächste Woche. Und an dieser Stelle wollen wir nochmal an den Fragebogen (Dauer: weniger als 2 Minuten) erinnern, mit dem Sie uns helfen, den “Wunderding-Letter” weiterzuentwickeln.

Beste Grüße,

Sarah Houben und Alexander Schlichter

Die hier veröffentlichten journalistischen Geschichten und Pressemitteilungen stellen unsere subjektive Auswahl dar. Mit keinem der verlinkten Publikationen oder Institutionen stehen wir in einer geschäftlichen Beziehung. Das sind unsere Kriterien für unsere Auswahl:

1. Journalistische Geschichten
– Wir wählen die Geschichten aus, die wir selber gerne gelesen haben, die uns einen tieferen Einblick, eine andere Sichtweise, einen neuen Zugang zu einem Thema ermöglicht haben. Die Geschichten, die wir auswählen, sind mehr als reine Nachrichten. Sie beleuchten ein Thema aus mehreren Blickwinkeln und lassen unterschiedliche Positionen zu Wort kommen.
2. Pressemitteilungen
– Wir wählen die Mitteilungen aus, von denen wir glauben, dass sie ein Startpunkt sein könnten, um sich mit einem Thema intensiver weiterzubeschäftigen. 

0 comments on “04 – Familienväter und Hormone, unsterblich mit Google und AI einfach erklärt

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *