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07 – neuromorphe Chips, das CRISPR-Battle und VR ohne Nebenwirkungen

Mit unserem Fragebogen und mit vielen persönlichen Gesprächen haben wir versucht herauszubekommen, was Ihnen bei unserem Newsletter wichtig ist. Vielen Dank für die tolle Teilnahme. Wir haben viel gelernt und das ganz ohne künstliche Intelligenz. Ein wichtiges Ergebnis: weniger ist mehr und so wollen wir Ihnen in Zukunft in unseren drei Rubriken: AI, GENE und VR/AR nur jeweils die aus unserer Sicht 1-3 besten Artikel genauer vorstellen. Weitere Artikel stellen wir mit einen zusammenfassenden Satz vor.

AI

1. Nicht nur AI-Software ahmt die Funktionsweise eines Gehirns nach, es werden auch neue Computerchips konstruiert, die so ähnlich wie unser Gehirn arbeiten. Diese neuromorphen Chips bestehen aus Bauteilen, die als Neuronen bezeichnet werden. Diese Neuronen kommunizieren dann direkt über sogenannte Synapsen miteinander. Das alles natürlich rein elektrisch auf Siliziumbasis. TrueNorth von IBM ist einer dieser neuromorphen Chips und er wurde dafür gebaut, AI-Fragestellungen zu rechnen. Der große Vorteil dieser neuen Chips: sie sind extrem energieeffizient und verbrauchen sehr viel weniger Energie. Wenn eines Tages Mobiltelefone in Echtzeit Gesichter erkennen oder Sprache übersetzen sollen, dann könnte eine Lösung die sparsamen neuen Chips sein, die so denken wie wir.
Quelle: The NewYorker / A Computer to rival the brain / Autorin: Kelly Clancy
Zusatzinfo: IBM arbeitet schon seit längerem an diesen neuromorphen Chips. Wer sich vertiefen will in die Thematik, kann das tun mit einem Artikel, den YanLeCun, Direktor AI-Forschung bei Facebook, zu TrueNorth geschrieben hat.

2. Und es gibt ein Startup, das auch AI mit einer neuen Chipgeneration möglich machen will. Graphcore aus Bristol, Uk, hat einen Chip konstruiert, den sie Intelligent Processing Unit (IPU) nennen und der ähnliches verspricht: Arbeitsweise ähnlich unserem Gehirn bei sehr geringer Leistung. Letztes Jahr haben sie dafür eine Serie A-Finanzierungsrunde mit 30-Millionen Dollar abgeschlossen. Das schöne und ästhetisch beeindruckende bei diesem neuen Chip ist, dass man ihm beim Lernen zuschauen kann.
Quelle: Wired / Stunning “AI brain scans” reveal what machines see as they learn new skills / Autor: Matt Burgess
Link: Graphcore blog post

WEITERE AI-ARTIKEL:

Wie China gleichzieht mit Amerika im Bereich AI und warum es für AI-Forscher wichtig ist, das Datum des chinesischen Neujahrfestes zu kennen.
The Atlantic / China’s Artificial-Intelligence Boom / Autor: Sarah Zang

 

GENE

UC Berkeley oder Broad Institute, Doudna/Charpentier oder Zhang, CRISPR universell oder CRISPR in Eukaryonten? Die letzte Woche wurde dominiert von der Entscheidung des US-Patentgerichts. Auf dem ersten Blick ein wichtiger Sieg für das Broad Institute, da das amerikanische Patentgericht ihre CRISPR-Patente für gültig erklärt und die UC Berkeley Klage abgewiesen hat. Doch was hat das für Folgen? Zwei Artikel bieten einen tieferen Einblick in diesen Wissenschafts-Krimi, der bestimmt eines Tages verfilmt wird.

1. Fünf Dinge, die man sich merken sollte nach dem Patent-Streit.

Erstens sieht UC Berkeley die Entscheidung nicht als Niederlage, denn ihr Patent beziehe sich auf die Anwendung von CRSIPR in allen Zellen und das Patent des Broad Institutes nur auf eukaryontische Zellen (das sind Zellen mit Zellkern, so zum Beispiel menschliche Zellen). Zweitens leitet UC Berkeley daraus ab, dass in Zukunft Firmen, die CRISPR anwenden wollen, auch ihre Technik lizensieren müssen. Drittens müssen wir alle damit rechnen, dass Wissenschaftler sehr viel weniger offen und kritisch ihre eigenen Erfindungen kommentieren werden, denn Doudna wurden in der Begründung des Patent-Streits ihre eigenen zurückhaltenden Äußerungen (Catalyst Sprin/Summer 2014, Veröffentlichung UC Berkeley) zu CRISPR in Eukaryonten vorgehalten. Viertens gibt es Hoffnung auf eine Einigung, sollte sich abzeichnen, dass Firmen beide Patente brauchen. Fünftens kann es sein, dass der Rechtsstreit am Ende bedeutungslos sein wird, denn weitere CRISPR-Patente für neue Versionen der Methode (CRISPR-Cpf1 anstatt CRISPR-Cas9), existieren bereits und keiner kann genau sagen, welche Versionen sich durchsetzen werden.
Quelle: statnews / The CRISPR patent decision: Your six takeaways / Autorin: Sharon Begley

2. Die ganze Geschichte des CRISPR-Streits, die ihren vorläufigen Höhepunkt in der Patentstreit-Entscheidung hatte, liest sich wie ein Drehbuch zu einem Hollywood-Film. Sehr aufschlussreich, weil eine interaktive Grafik die Verflechtung der einzelnen Protagonisten mit den beteiligten Startups Editas Medicine, CRSIPR Therapeutics und Intellia Therapeutics und Projekten aufzeigt.
Quelle: Science / How the battle lines over CRISPR were drawn / Autor: John Cohen

3. In Zellen eingeschleuste messenger RNA (mRNA), mit der Mäuse temporär wie Glühwürmchen leuchten, könnte zu verbesserten Impfstoffen führen.
In diesem neuen Ansatz für Gen-Therapie, ist es Stanford-Forscher gelungen, anstelle von abzulesender DNA, nun lediglich die mRNA, also die Anleitung für die zu synthetisierenden Proteine, in Zielzellen einzuschleusen.
Der Vorteil darin ist, dass die mRNA kurzlebig ist und nur temporär wirkt, statt die genetische Ausstattung der Zellen permanent zu verändern – so leuchten die Mäuse nur kurz und nicht für immer.
Mit dieser neuen mRNA-Methode könnte man nun eines Tages vielleicht direkt die Anleitungen für den Bau von Antigenen in den Körper bringen, anstatt Virenbestandteile zur Hervorrufung der Immunreaktion zu impfen.
Quelle: Stanford News / In a possible step forward for gene therapy, Stanford researchers made mice glow like fireflies / Autor: Taylor Kubota
Link: dazugehöriges Paper in PNAS

 

VR/AR

1. Wer schon mal ein VR-Headset etwas länger aufhatte, hat vielleicht als Folge Übelkeit, Kopfschmerzen oder ermüdete Augen erlebt. Forscher im Stanford Computational Imaging Lab entwickeln nun eine Lösung für diese Nebenwirkungen.
Neue Technologien, die sich auf die Sehfähigkeiten von Einzelpersonen anpassen können, sollen bald für ein personalisiertes Kopfschmerzen-freies VR-Erlebnis sorgen. So soll ein adaptiver Fokus, entweder mit einstellbarer Displayentfernung im Stile eines Fernglases, oder mit verformbaren flüssigen Linsen im Headset, bereits Lösungen für Kurzsichtige und Weitsichtige VR-Nutzer bieten. Das fokussierbare Display wurde letztes Jahr an 173 Teilnehmern zwischen 21 und 64 Jahren getestet – wohl schon mit gutem Erfolg für eine weite Bandbreite von Seheigenschaften.
Quelle: Stanford News / Stanford researchers personalize virtual reality displays to match a user’s eyesight / Autor: Vignesh Ramachandran
Link: dazugehöriges Paper in PNAS

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