05 – Kühe ohne Antibiotika, ein fliegender Fledermaus-Kopter, Niederlage beim Poker und der DNA Appstore

Ausgabe 5 des Wunderding-Letters ist fertig und ab sofort wollen wir einen Schwerpunkt seten auf drei Bereiche. Zwei lassen sich mit jeweils zwei Buchstaben benennen: AI und VR. Im dritten Bereich, auf den wir uns konzentrieren wollen, steckt auch eine Abkürzung deren sechs Buchstaben in den letzten beiden Jahren eine unglaubliche Faszination und einen Hype ausgelöst haben: CRISPR. Aber dieser Bereich ist mehr als CRISPR, er soll das gesamte Spektrum des Genome Editing behandeln.

AI 

“Maschinen, die ein wenig wie wir Menschen lernen. Diese AI-Programme brauchen dafür ein paar Daten und testen damit Hypothesen in kurzer Zeit. “Bayesian Method” nennt man diese Methode in der AI Forschung, die immer mehr Beachtung findet, weil sie Dinge kann, die andere Verfahren nicht können. Denn diese Methode funktioniert anders als die neuronalen Netzwerke des Deep Learnings, die bis jetzt die meiste Aufmerksamkeit in dem gesamten AI-Hype bekommen haben. Und wer tiefer in die Thematik einsteigen will, trifft bald auf einen alten deutschen Wissenschaftler: Carl Friedrich Gauß (1777-1855). Ja genau, der mit der Gaußschen Glockenkurve, die einem irgendwo bestimmt schon mal begegnet ist. Denn bei dieser “Bayesian Method” spielen Zufallsprozesse aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung eine Rolle. Die Grundlagen, mit denen heute dieser Bereich der Künstlichen Intelligenz programmiert wird, hat also genau “unser” Gauß gelegt. Die Startups und Wissenschaftler, die im Artikel erwähnt werden und die diesen AI-Ansatz nutzen, stammen jedoch nicht aus Deutschland.
Quelle: WIRED-Artikel / Autor: Cade Metz
Weiterlesen:
Gamalon / AI Startup / Webseite mit TEDx Boston Talk des CEO, Ben Vigoda
Prowler / AI Startup
Zoubin Ghahramani / Professor of Information Engineering Department of Engineering / University of Cambridge / Co-Director UBER Ai Labs
Ryan Prescott Adams / Associate School of Engineering and Applied Sciences Harvard University / AI Lab Twitter

Und noch eine AI-Geschichte, bei der auch die neuronalen Netzwerke nicht die Hauptrolle spielen sondern ein Ansatz, der Reinforcement Learning (auf deutsch: Bestärkendes Lernen) heisst.

Das AI-Programm “Libratus” hat drei Profi-Poker Spieler geschlagen. Eine weitere herbe Schlappe für uns Menschen, nachdem das AI Programm AlphaGo letztes Jahr im März in einem schon jetzt legendären Wettkampf einen der weltbesten Go-Spieler Lee Sedol bezwang. Bei dem Poker Turnier “Mensch gegen Maschine” kamen gleich drei verschiedene AI Programme zum Einsatz. Das erste lernte Poker von Grund auf, seine Programmierer hatten ihm anfangs nur mit einer Beschreibung des Poker-Spiels gegeben, dann ein zweites, das das Spiel des ersten Programms während der Poker-Partien analysierte und dem ersten beim Gewinnen half und – jetzt wird es gemein für uns Menschen – ein drittes Programm, das jede Nacht zwischen den Poker-Partien lief, um Muster aus dem ersten Programm zu entfernen, die es den menschlichen Spielern ermöglicht hätte, irgendwelche Taktiken gegen die AI zu entwickeln.
Quelle: WIRED-Artikel / Autor: Cade Metz
Weiterlesen:
Noam Brown / PhD Student, Carnegie Mellon Universität, Libratus Entwickler
Tuomas Sandholm, Professor Computer Science Department, Carnegie Mellon Universität
Paper der beiden Wissenschaftler “Safe and Nested Endgame Solving for Imperfect-Information Games”

Eine Zukunft des autonomen Fliegens könnte ein fledermausähnlicher Flugroboter sein. Der „Bat Bot“ fliegt dank einer dünnen Flügelmembran fledermausartig durch die Luft – ein wunderbares Beispiel für Biomimikry. Möglicherweise findet dieser agile Roboter eines Tages Verwendung bei der Untersuchung von eingestürzten Häusern oder als persönlicher „Aerial Assistent“ für ältere Menschen.
Quelle: Caltech-Pressemitteilung mit Video
Links:
Soon-Jo Chung / Associate Professor of Aerospace, Caltech
Alireza Ramezani / Postdoctoral Researcher, University of Illinois
Seth Hutchinson / Professor for Electrical and Computer Engineering, University of Illinois
Weiterlesen:
Popular Science-Artikel / Autor: Kelsey D. Atherton
Paper des Wissenschaftler-Trios “A biomimetic robotic platform to study flight specializations of bats”

GENOME

Wir sind so etwas wie der App-Store für die individuellen DNA Produkte der Zukunft” sagt Robert Thurston, CEO des Startups Helix. Und genau wie der Erfolg Ubers erst durch die Verbreitung in den iOS und Android Appstores möglich wurde, will Thurston die Plattform für all zukünftigen individuellen DNA Produkte sein. Die Idee: einmal seine DNA von Helix sequenzieren lassen (alle Protein codierende DNA und nicht nur Genotyping Sequenzierung wie es andere Personal-Genome Startups wie 23andme bis jetzt anbieten) und dann sollen andere Firmen aufgrundlage dieser DNA-Sequenz individuelle Produkte entwickeln wie zum Beispiel hochindividualisierte Diät- oder Fitness Angebote. So auf jeden Fall die Idee des Robert Thrustons’s und weil Helix vom Sequenziergiganten Illumina unterstützt wird, könnte das vielleicht auch klappen.
Quelle: inc (Interview mit Helix-CEO Robert Thurston) / Autor: Jeff Haden
Weiterlesen:
Geschäftsmodell des Helix-Startups / Quelle: Fastcompany
Expansionspläne Illumina / Quelle. Fastcompany
Crunchbase-Info zu Helix

In China wurde mithilfe von CRISPR eine Kuh-Herde gezüchtet, die eine gute Immunantwort auf Rinder-Tuberkulose zeigt. Im Infektionsfall müsste solchen Kühe nicht mit Antibiotika behandelt werden.
Quelle: Quartz Magazine / Autor: Katherine Ellen Foley
Paper: “Single Cas9 nickase induced generation of NRAMP1 knockin cattle with reduced off-target effects”

VR

Atari Gründer Nolan Bushnell will mit VR-Games die Spielhallen erobern. Bushnell, Legende und einer der Urväter des Videospiels, ist als Co-Founder des Startups ModalVR davon überzeugt, dass für VR-Games das Spiel in der Gruppe an einem realen Ort (Kino, Spielhalle, Einkaufszentrum) die Zukunft sein wird. ModalVR bietet dafür ein System aus Hardware (mit kabelloser VR-Brille) und Software an. Also raus aus der engen Stube und dem Alleinsein des Online-Gamings, ab in die nächste Halle, Brille aufgesetzt und los gehts.
Quelle: MIT Technology Review / Autorin: Rachel Metz

Warum VR nicht dafür geeignet ist – obwohl es immer behauptet wird – mehr Empathie zum Beispiel für Flüchtlinge zu erzeugen.
Quelle: The Atlantic / Autor: Paul Bloom

Und zum Schluss noch eine Geschichte bzw. ein Aufruf aus FastCompany:
Why We Need Scientists On Social Media, Now More Than Ever – More young scientists see social media platforms as an important way to engage the public and clear up misinformation. Ein – wie wir finden – guter Beitrag zur aktuellen Diskussion. Der Artikel enthält am Ende auch 10 Vorschläge für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, denen es lohnt, auf Twitter zu folgen. Haben gleich für Wunderding einige abonniert.

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